LERN:RAUM:DESIGN ##Im Dialog mit Zwetana Penova##

Wie bereits im letzten Beitrag zur Research Journey angekündigt, steht das Jahr 2017 im Zeichen praktischer Erfahrungen & Eindrücke. Insofern möchte ich meine Erkenntnisse aus den Gesprächen mit den Professor*innen aus 2016 mit einer praxis- und designorientierten Perspektive anreichern. Hierzu trete ich mit Designer*innen & Learning Professionals in den Dialog, die viel Erfahrung mit innovativen, designorientierten und kreativen Lernmethoden haben. Die aus den Gesprächen gewonnenen Kernaussagen zur Gestaltung von Lernräumen werden dann auf dem Blog portraitiert.

Die neue Reihe LERN:RAUM:DESIGN – im Dialog startet mit Zwetana Penova. Sie hat „Visuelle Kommunikation“ an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe studiert, ist Spezialistin für Design-Thinking und Gründerin der Plattform lernox.

swetana

Mit ihr war ich am 20.01.2017 zum Mittagessen verabredet. Wir kennen uns schon längere Zeit von verschiedenen Veranstaltungen wie z.B. aus dem Education Innovation Lab und endlich haben wir ein Treffen arrangiert bekommen.

Die Gelegenheit habe ich natürlich direkt genutzt, um Zwetana zum Thema „Lernräume“ zu befragen und um Ihre Sichtweise auf das Thema zu ergründen.

Hier ihre Kernaussagen:

1. Was zeichnet einen guten LERN:RAUM aus?

Ein Lernraum wird immer sehr subjektiv und von jedem Individuum unterschiedlich wahrgenommen. Insofern gibt es keinen guten oder schlechten Lernraum. Menschen haben sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Lernen. Jeder hat seine bevorzugten Orte, Zeiten und Methoden. Für den einen ist Schaukeln an der frischen Luft eine gute Methode um zu lesen, für den anderen ist es eher eine gemütliche Couch. Zudem sind die Methoden sehr stark von den jeweiligen Aufgaben abhängig.

Trotzdem ist die Frage berechtigt, da es Faktoren gibt, die für eine Mehrzahl der Lernenden als förderlich empfunden werden:

  • Schönes Licht & natürliche Beleuchtung
  • Frische Luft
  • Sitzen und Stehen im Wechsel
  • Individuelle Anpassungsfähigkeit des Raumes
  • Der Raum bietet die Möglichkeit, im Team, aber auch alleine zu lernen (Ruhezonen & Gruppenzonen)

2. Welche Ausstattung würdest Du Dir als „Lehrende“ wünschen?

Es wäre gut, wenn man den Lernraum auch verlassen bzw. erweitern könnte. Insofern ist ein Zugang zu einem Hof, einem Garten oder ähnlichem sehr förderlich für Lernprozesse. Zudem sind haptische Gegenstände sehr wichtig. Sie führen dazu, die theoretischen Inhalte in eine konkrete Form zu bringen. Auf diese Art & Weise werden die Lernprozesse im Gehirn verfestigt und zugleich visuell und haptisch untersetzt.

Für kreative Lernsettings im Sinne von Design Thinking sind folgende Dinge wünschenswert:

  • Lego
  • Spielsachen (Knete, Spielkarten etc.)
  • Playmobil
  • Flexible Tische, die zu unterschiedlichen Lerninseln formiert werden können
  • Sitzelemente für den Boden
  • Guter Zugang zum Internet über Wlan
  • Lernende können ihre eigenen, privaten[1] Mobile Devices (Tablets, Smartphones) nutzen (BYOD)
    • Für Recherchen
    • Für Filmaufnahmen
    • Für Interviews
  • Zukünftig werden Augmented und Virtual Reality sowie auch das Internet der Dinge eine wichtige Rolle spielen, um immersive Lernerfahrungen zu ermöglichen

3. Was war der tollste LERN:RAUM, den Du je gesehen hast?

Leider gibt es diesbezüglich wenige exzellente Beispiele. Die Google Labs in Zürich führen hier klar die Spitze an, indem sie zeigen, wie herkömmliche Büros zu Erfahrungsräumen transformiert werden können.

Wichtig ist, dass die Räume authentisch und nicht zu steril und künstlich wirken. Nachmachen alleine reicht auch nicht aus, um eine Lernumgebung zu schaffen, die durch ihre Atmosphäre zum Lernen & Arbeiten einlädt.

4. Was findest Du in diesem Zusammenhang (nicht) gut?

Innovation entsteht in „Zwischenräumen“ (nach Richard Sennet), insofern ist es nicht gut, wenn der Raum zu viel Macht auf die Handlungsoptionen der Lernenden ausübt. Ein Raum gibt vor, wo man sich hinzusetzen hat, wo man sich hinlegen soll etc. Wenn die Architektur zu dominant ist, werden keine kreativen und innovativen Eigenleistungen der Lernenden möglich. Die Raumelemente dürfen nicht zu starr die Lernmethoden vorgeben. Die radikale Umkehrung dessen wären komplett leere Räume, bei denen der/die Lehrende die ganze Kreativität ausleben könnte, indem nur bestimmte Raumelemente hinzufügt würden. Ähnlich einer Turnhalle mit angeschlossenem Geräteraum. Dieser Idee folgend könnte es unterschiedlich stark vorstrukturierte Module zur Raumgestaltung geben, die sehr wenige bis sehr viele Raumelemente beinhalten und dadurch unterschiedlichste Szenarien ermöglichen. Lernen braucht FREI:RAUM im wahrsten Sinne des Wortes. Zu viel Struktur und zu dominante Räume sind nicht förderlich zum (kreativen) Lernen.

5. Wie könnte Dich ein intelligenter Raum beim Lernen bzw. Lehren unterstützen?

Das wären zunächst eher einfache Dinge, wie z.B., dass der Raum äußere Faktoren wie Temperatur und Beleuchtung erkennt und an optimale Bedingungen anpasst. Komplizierter wird es dann, wenn es um die Mensch-Maschine-Interaktion geht. Zukünftig werden Screens als User-Interface in Lernräumen mehr und mehr verschwinden und durch Sprach- und Gestensteuerung ersetzt. Die Interaktion im und mit dem Raum wird natürlicher werden. Darüber hinaus kann der Raum helfen, eigene Lernziele zu erreichen, indem Methoden aus dem Bereich Artificial Intelligence angewendet werden. Hierzu „denkt der Raum in Lernszenarien mit“, indem beispielsweise Tools zum Schneiden oder Vertonen von Videos angeboten werden, falls die Kamera in Betrieb genommen wurde. Oder es werden thematisch passende, digitalisierte Lerngegenstände (z.B. Planeten, Körperteile, Motoren etc.) in den Raum projiziert (vgl. Hologramm), falls dies Thema einer Aufgabe sein sollte. Der Raum unterstützt sozusagen als digitaler Assistent vordefinierte, didaktische Szenarien.

Für Lehrende wäre es beispielsweise auch hilfreich, falls eine Gruppenaufgabe nicht gelöst werden kann, dass das didaktische Setting schnell geändert werden könnte bzw. dass alternative Aufgaben oder Lernmethoden angeboten werden würden. Wichtig wäre darüber hinaus, dass beim Verlassen des Lernraumes die Ergebnisse auf dem privaten Mobile Device mitgenommen werden können, um ortsunabhängig daran weiterzuarbeiten oder sich in bestimmten Lerngruppen darüber austauschen zu können. Letztlich geht es darum, fließende Übergänge zwischen formalen und informellen Lernformaten herzustellen. Ein etwas weiterer Blick in die Zukunft verspricht das völlige Eintauchen in neue Lernwelten durch Virtual Reality, indem beispielsweise eine Operation „virtuell erprobt“ werden kann oder geschichtliche Zusammenhänge „in einer virtuellen Umgebung“ hautnah erfahren werden können. Neben den 3D-Effekten werden dann Geräusche, Berührungen sowie Gerüche so realistisch nachgestellt, dass immersive Lernerfahrungen möglich werden.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an Zwetana für das inspirierende Gespräch. Im nächsten Beitrag gibt es Andrea Augsten im LERN:RAUM Dialog.

Ich freu´mich drauf.

andrea

[1] Private Endgeräte sind besser als „Leihgeräte vor Ort“, da a) die bearbeiteten Inhalte auch nach der Schulung zur Verfügung stehen und b) sich die Lernenden mit ihrem persönlichen Device besser auskennen (Usability)

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