Smart Learning Environments (SLE) und Open Educational Resources (OER)

Im Vorfeld des OER-Festivals in Berlin (28.02.2016-01.03.2016) habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welchen Zusammenhang es zwischen der Gestaltung von „Smart Learning Environments“ (SLE) und dem Thema „Open Educational Resources“ (OER) gibt. Mit dem Begriff „Smart Learning Environment“ ist eine intelligente Lern- und Arbeitsumgebung gemeint, die den Prozess der Wissensaneignung im Zuge des lebenslangen Lernens auf Grundlage der Nutzerbedürfnisse automatisiert und unterstützt. Nähere Erläuterungen zu „Smart Learning Environments“ sind in meinem Beitrag vom 8.10.15 zu finden: Hier klicken.

Einen möglichen Zusammenhang möchte ich durch eine gewagte These einleiten:

In 5-10 Jahren lernen Wissensarbeiter/innen überwiegend sozial, vernetzt und hybrid mittels persönlich gestalteter Lernumgebung, auch Personal Learning Environment (PLE) genannt. Wie so eine Lernumgebung aussehen kann, habe ich hier beschrieben. Jede(r) Wissensarbeiter/in bringt somit eine eigene, auf Bedürfnissen und Erfahrung basierenden „Wissensschatz“ mit, welcher zunehmend auch digital abgebildet ist und aus Inhalten und Werkzeugen gleichermaßen besteht.

Wenn es zukünftig gelingt, individuelles Wissen mit kollektivem Wissen sinnvoll zu vernetzen und zu erweitern, könnte man von intelligenten Systemen sprechen oder auch von intelligenten Bildungsnetzen, die die persönliche Wissensaneignung durch intelligente Verfahren (Künstliche Intelligenz, Data Mining, Semantik…) unterstützt. Das würde bedeuten, dass die PLE durch o.g. intelligente Systeme kontinuierlich wächst bzw. die Gestaltung einer PLE von Beginn an unterstützt werden könnte. Von Vorteil wäre hierbei u.a., dass der kontinuierliche, zeitliche Aufwand zur Generierung und Weiterentwicklung der PLE reduziert werden könnte.

Intelligente Systeme werden auch bereits im Kontext der PLE-Literatur in Ansätzen diskutiert. So heißt es etwa in einem Paper von Buchem et al., aus 2011:

“Frequently addressed concepts related to tools include mash-ups based on aggregation of tools and Service Oriented Architectures (SOA) as opposed to closed, monolithic systems. Further aspects include intelligent systems, such as personalised and contextualised recommendation services or expert systems based on semantic technologies and/or artificial intelligence. The increasing development of Open Educational Resources (OER) are seen as important, in not only providing rich and accessible resources but also in assisting learners in developing their own critical literacies through remixing and commenting on such resources.”

(Buchem et al., 2011, S. 20/21)

In diesem Zitat steckt bereits der Zusammenhang zu OER. Denn, wem gehört letztlich die PLE mit all ihren Inhalten und Tools? Wer hat die Rechte an der Nutzung und Weiterentwicklung?

Wenn man das Konstrukt einer PLE (vgl. ebenda, S. 30) genauer betrachtet, findet man darüber hinaus noch weit mehr Bereiche, die es in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen gilt:

PLE Elements_Buchem

Und wenn man dann die Idee von vernetzten PLE´s zu einem „intelligenten Gesamtsystem“ weiterverfolgt kommt letztlich die Frage auf (falls es so etwas irgendwann einmal geben sollte), wem gehört dieses „intelligente Gesamtsystem“? Wer darf die dort enthaltenen (Nutzer- und Profil) Daten und Tools auswerten, weiterverarbeiten und darüber hinaus den Quellcode nutzen etc.?

Aktuelle Diskussionen darüber, ob Amazon eine neue Bildungsplattform plant, gehen in genau diese Richtung. Es geht eben nicht nur um die freie Nutzung der Inhalte sondern auch darum, wem das „Gesamtsystem dahinter“ gehört. Und was daraus Nützliches oder eben auch Schädliches für den Nutzer entstehen kann. Dem Whitepaper „Open Educational Resources (OER) in Weiterbildung/ Erwachsenenbildung…“ (Blees et al., 2015) ist dazu folgende Einschätzung zu entnehmen:

„Die Volkshochschulen sind ein wichtiger Akteur auf dem Weg zu einer offenen Erwachsenen- und Weiterbildung. Denkbar wäre hier ein eine zentrale OER-Plattform, auf die alle VHS zugreifen und sie mit neuem Material bespielen können. Ein OER-Ökosystem, das an strategischen Schnittstellen in der VHS-Welt andockt, wäre ein mittelfristiges Ziel.“

Da sich das Thema Lebenslanges Lernen bzw. Erwachsenenbildung jedoch auch auf andere Bereiche erstreckt als „nur“ den Bereich der VHS könnte man die Frage stellen, inwieweit eine übergreifende OER-Plattform im Sinne eines für alle offenen Wikipedia´s ggf. umsetzbar und realistisch erscheint. Hierzu heißt es u.a. in dem Whitepaper (vgl. ebenda, S. 26):

Folgende Ideen sollten längerfristig auf Landesebene als Aufgabe gesehen werden:

  • eine gemeinsame Datenbank/Plattform, auf der Materialien hochgeladen sowie recherchiert und abgerufen werden können

Ich persönlich würde mir an dieser Stelle (als ausgiebige PLE Nutzerin) eine Art PLE-Wikipedia mit intelligenten Zusatzfunktionen alá IBM Watson wünschen. Natürlich als Open Source, damit alles Wissen für alle zugänglich und das System von allen weiterentwickelt werden kann.

Pures Wunschdenken??? Wahrscheinlich schon.

In diesem Sinne freue ich mich schon heute auf den persönlichen Austausch auf dem OER-Festival oder über Kommentare und Hinweise in digitaler Form.

 NACHTRAG:

  1. Hier die Fotos zum OER-Festival: http://open-educational-resources.de/16/fachforum/fotos/
  2. Hier die Tweets zum OER-Festival (#OERde16): https://twitter.com/search?src=typd&q=%23OERde16
  3. Hier „unser“ Design-Thinking Prototype Video zu intelligenten Bildungsnetzen: https://twitter.com/EduOrakel/status/704313620226826240
  4. Und natürlich noch das Etherpad zu meiner Session: IT-Infrastrukturen der Zukunft: Intelligent, Vernetzt, hybrid. Und Open Source? http://pad.o-e-r.de/p/oercamp16-R1_1715h

Quellen:

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